Hund hört draußen nicht: Warum der Rückruf schwierig wird
Zu Hause hört Mira wunderbar. Doch draußen haben Gerüche, andere Hunde und spannende Entdeckungen manchmal ganz klar Vorrang. Susanne erzählt mit einem Augenzwinkern vom Hundealltag und erklärt, warum der Rückruf im Freien so schwierig sein kann, welche sieben Ursachen dahinterstecken und wie du den Rückruf freundlich und sicher trainierst.
Susanne Klatten
Hund hört draußen nicht: Warum der Rückruf schwierig wird
Ich bin mir ziemlich sicher, dass Mira ihren Namen kennt.
Zu Hause jedenfalls besteht daran kein Zweifel.
Wenn ich in der Küche stehe und nur beiläufig „Mira?“ sage, taucht unsere Mischlingshündin meistens erstaunlich schnell auf. Manchmal brauche ich nicht einmal ihren Namen. Das leise Rascheln einer Leckerli-Tüte reicht völlig aus.
Draußen sieht die Sache allerdings gelegentlich etwas anders aus.
Neulich waren wir auf einer schönen Wiese unterwegs. Mira schnüffelte zufrieden an einer Stelle, die für mich vollkommen unspektakulär aussah. Für sie musste dort allerdings eine ausgesprochen interessante Geschichte im Gras verborgen sein.
Ich wartete einen Moment und rief freundlich: „Mira, komm!“
Nichts.
Ich versuchte es noch einmal.
Mira hob kurz den Kopf, sah in meine Richtung und widmete sich anschließend wieder ihrer Entdeckung.
Ich stand am anderen Ende der Schleppleine und fragte mich, ob ich möglicherweise gerade etwas falsch ausgesprochen hatte.
„Mira?“
Ein Ohr bewegte sich.
Immerhin.
In diesem Moment wurde mir wieder bewusst, wie unterschiedlich unsere Wahrnehmung eines Spaziergangs sein kann.
Für mich war es eine gemütliche Runde an der frischen Luft.
Für Mira offenbar eine Expedition mit wissenschaftlichem Anspruch. Und ich hatte sie gerade bei einer wichtigen Untersuchung unterbrochen.
Natürlich musste ich darüber schmunzeln. Gleichzeitig steckt hinter solchen Situationen eine Frage, die viele Hundebesitzer beschäftigt:
Warum hört mein Hund draußen nicht, obwohl er zu Hause eigentlich alles kann?
Und vor allem: Wie schafft man es, dass der Hund auch dann zurückkommt, wenn die Welt um ihn herum gerade viel spannender ist als sein Mensch?
Die gute Nachricht: Ein schwieriger Rückruf bedeutet nicht automatisch, dass dein Hund ungehorsam, stur oder schlecht erzogen ist.
Aber ein sicherer Rückruf fällt auch nicht einfach vom Himmel.
Warum hört mein Hund draußen nicht? Die kurze Antwort
Wenn dein Hund draußen nicht auf den Rückruf reagiert, liegt das häufig daran, dass die Umgebung sehr viel ablenkender ist als dein Zuhause.
Neue Gerüche, andere Hunde, Wildtiere, Menschen und Bewegungen können für deinen Vierbeiner interessanter sein als das Signal, zu dir zurückzukommen.
Außerdem haben viele Hunde den Rückruf zwar in ruhigen Situationen gelernt, aber noch nicht ausreichend unter Ablenkung geübt.
Die Tierschutzorganisation Dogs Trust erklärt, dass ein guter Rückruf schrittweise aufgebaut werden muss. Erst wenn ein Hund das Signal unter einfachen Bedingungen zuverlässig versteht, sollten Entfernung und Ablenkung langsam gesteigert werden.¹
Die sieben häufigsten Gründe sind:
Draußen gibt es zu viele spannende Ablenkungen.
Dein Hund hat den Rückruf noch nicht ausreichend übertragen.
Du rufst möglicherweise zu oft oder im falschen Moment.
Das Zurückkommen lohnt sich für deinen Hund nicht genug.
Dein Hund hat gelernt, dass der Rückruf das Ende des Spaßes bedeutet.
Die Pubertät oder sein individueller Charakter erschweren das Training.
Aufregung, Angst oder gesundheitliche Probleme beeinflussen seine Reaktion.
Schauen wir uns diese Gründe genauer an.
Denn wenn wir verstehen, warum der Rückruf nicht funktioniert, können wir auch viel gezielter daran arbeiten.
1. Draußen ist einfach alles spannender als du
Fangen wir mit dem wahrscheinlich häufigsten Grund an.
Unsere Hunde erleben die Welt ganz anders als wir.
Während wir beim Spaziergang vielleicht die schöne Landschaft genießen, liest unser Hund mit seiner Nase eine Art tägliche Lokalzeitung.
Wer war hier?
Welcher Hund ist vorbeigelaufen?
Gibt es Wildspuren?
Und warum riecht dieser eine Grashalm so unglaublich interessant?
Gerade Gerüche können für Hunde eine enorme Bedeutung haben.
Wenn Mira an einer Stelle ausgiebig schnüffelt, habe ich manchmal das Gefühl, sie würde ein sehr kompliziertes Rätsel lösen.
Ich stehe daneben und sehe lediglich Gras.
Sie dagegen scheint Informationen zu sammeln, die mir für immer verborgen bleiben werden.
Und dann komme ich mit meinem „Mira, komm!“ um die Ecke.
Aus ihrer Sicht vermutlich ein ziemlich unpassender Zeitpunkt.
Warum reagiert mein Hund bei Ablenkung nicht?
Weil seine Aufmerksamkeit gerade auf etwas anderes gerichtet ist.
Das bedeutet nicht automatisch, dass er dein Rückrufsignal nicht kennt.
Vielleicht ist der Geruch, das Wildtier oder der andere Hund im Augenblick einfach viel interessanter.
Dogs Trust empfiehlt deshalb, mit dem Rückruftraining zunächst in ablenkungsarmen Situationen zu beginnen und die Schwierigkeit nur langsam zu steigern.¹
Mein Tipp: Rufe deinen Hund anfangs nicht aus seiner spannendsten Beschäftigung heraus.
Übe lieber dann, wenn er ohnehin schon ein wenig auf dich achtet.
Damit steigen die Chancen, dass er tatsächlich kommt.
Und jeder erfolgreiche Rückruf ist wertvoller als fünf Versuche, bei denen dein Hund gar nicht reagiert.
2. Dein Hund kennt den Rückruf zu Hause – aber nicht draußen
Das klingt zunächst widersprüchlich.
Schließlich ist „Komm“ doch immer dasselbe Wort.
Warum sollte Mira es in unserem Wohnzimmer verstehen, auf einer Wiese aber plötzlich nicht mehr?
Weil Hunde Gelerntes nicht automatisch so auf andere Situationen übertragen, wie wir Menschen das erwarten.
Zu Hause gibt es meist weniger Ablenkung.
Der Ablauf ist vertraut.
Vielleicht stehst du auch immer an derselben Stelle, wenn du deinen Hund rufst.
Draußen verändert sich dagegen fast alles.
Die Umgebung riecht anders. Es gibt mehr Geräusche. Und dein Hund ist möglicherweise viel aufgeregter.
Blue Cross empfiehlt deshalb, den Rückruf zunächst zu Hause und in ruhigen Umgebungen zu trainieren, bevor man in schwierigere Situationen wechselt.²
Warum klappt der Rückruf im Garten, aber nicht im Park?
Weil der Park eine ganz andere Trainingssituation ist.
Stell dir vor, du lernst ein neues Rezept.
In deiner eigenen Küche funktioniert irgendwann alles wunderbar.
Dann sollst du dasselbe Gericht plötzlich in einer fremden Küche zubereiten, während fünf Menschen gleichzeitig mit dir reden und irgendwo ein Hund bellt.
Du kennst das Rezept noch.
Aber die Umsetzung ist wesentlich schwieriger.
Ganz ähnlich kann es deinem Hund gehen.
Ein Rückruf, der im Wohnzimmer funktioniert, ist deshalb noch kein zuverlässiger Rückruf unter Ablenkung.
Das ist übrigens ein Punkt, den ich bei Mira besonders wichtig finde.
Nur weil etwas zu Hause hervorragend klappt, erwarte ich draußen nicht automatisch dieselbe Reaktion.
Manchmal müssen wir eine bekannte Übung in einer neuen Umgebung noch einmal deutlich vereinfachen.
Das ist kein Rückschritt.
Es gehört zum Lernen dazu.
3. Du rufst zu oft – und dein Hund lernt, dass das erste Signal nicht wichtig ist
Ich glaube, diesen Fehler haben viele Hundebesitzer schon einmal gemacht.
Mich eingeschlossen.
Der Hund schnüffelt.
„Mira, komm!“
Keine Reaktion.
„Mira, komm jetzt!“
Immer noch nichts.
„Miiiira!“
Und irgendwann klingt man wie eine Mischung aus Lautsprecherdurchsage und besorgtem Elternteil auf einem überfüllten Spielplatz.
Das Problem dabei: Wenn wir ein Rückrufsignal ständig wiederholen, ohne dass etwas passiert, verliert es möglicherweise an Bedeutung.
Dogs Trust empfiehlt ausdrücklich, das Rückrufsignal sparsam zu verwenden und nicht immer wieder zu rufen, wenn der Hund wahrscheinlich ohnehin nicht reagieren wird.¹
Denn sonst kann unser Hund lernen, dass er auf das erste Signal gar nicht achten muss.
Schließlich kommt gleich noch ein zweites.
Und ein drittes.
Vielleicht sogar ein viertes, diesmal etwas lauter.
Was kannst du stattdessen tun?
Überlege vor dem Rufen kurz, ob dein Hund überhaupt bereit ist, zu reagieren.
Ist er sehr weit entfernt?
Starrt er gerade einem Hasen hinterher?
Oder ist er vollständig in einen Geruch vertieft?
Dann kann es sinnvoller sein, zunächst die Ablenkung zu reduzieren oder wieder näher an deinen Hund heranzukommen.
Rufe möglichst dann, wenn du eine realistische Chance auf Erfolg hast.
Verwende dein Signal klar und freundlich.
Und wenn dein Hund tatsächlich kommt, belohne ihn.
Ich versuche mir dabei immer vorzustellen, dass der Rückruf etwas Besonderes bleiben soll.
Nicht das Hintergrundgeräusch eines Spaziergangs.
4. Der Rückruf lohnt sich für deinen Hund nicht genug
Jetzt wird es interessant.
Denn wir Menschen denken beim Rückruf häufig: „Mein Hund soll kommen, weil ich ihn gerufen habe.“
Für unseren Hund stellt sich die Situation aber möglicherweise etwas anders dar.
Da ist dieser großartige Geruch.
Oder der interessante Hund auf der anderen Seite der Wiese.
Und dann ist da Susanne, die plötzlich möchte, dass Mira alles stehen und liegen lässt.
Warum eigentlich?
Was erwartet sie bei mir?
Ein kleines Lob?
Eine schnelle Streicheleinheit?
Oder vielleicht etwas richtig Tolles?
Blue Cross erklärt, dass ein Hund beim Rückruf lernen sollte, dass das Zurückkommen besonders lohnend ist. Dazu können hochwertige Leckerlis, Spielzeug oder gemeinsame Spiele gehören.²
Das bedeutet nicht, dass man seinen Hund dauerhaft mit Futter bestechen muss.
Es bedeutet, dass wir ihm zunächst einen guten Grund geben sollten, zu uns zurückzukommen.
Welche Belohnung funktioniert beim Rückruf am besten?
Das hängt von deinem Hund ab.
Manche Hunde lieben kleine Stückchen besonders schmackhaften Futters.
Andere finden ein gemeinsames Zerrspiel großartig.
Wieder andere freuen sich über ausgelassenes Lob oder eine neue kleine Suchaufgabe.
Bei Mira beobachte ich immer wieder, dass die richtige Belohnung stark von der Situation abhängt.
Was zu Hause völlig ausreicht, muss draußen noch lange nicht spannend genug sein.
Und manchmal ist die schönste Belohnung, nach einem kurzen Besuch bei mir wieder weiterschnüffeln zu dürfen.
Mein Tipp: Verwende beim Rückruftraining eine Belohnung, die dein Hund wirklich gern mag und die für ihn gerade einen hohen Wert hat.
So wird das Zurückkommen nicht nur eine Pflichtübung, sondern etwas, auf das er sich freuen kann.
5. Dein Hund hat gelernt: Wenn ich komme, ist der Spaß vorbei
Dieser Punkt hat mir besonders eingeleuchtet.
Stell dir vor, du bist auf einer großartigen Party.
Die Musik gefällt dir.
Du hast nette Gesellschaft.
Es gibt gutes Essen.
Und jedes Mal, wenn jemand deinen Namen ruft, musst du sofort nach Hause.
Wie begeistert würdest du beim nächsten Mal reagieren?
Vermutlich eher verhalten.
Manchen Hunden geht es mit dem Rückruf ganz ähnlich.
Sie haben gelernt, dass sie angeleint werden, sobald sie zurückkommen.
Oder dass der Spaziergang endet.
Vielleicht müssen sie auch ein tolles Spiel mit anderen Hunden unterbrechen.
Wenn der Rückruf immer das Ende einer schönen Aktivität ankündigt, kann das die Motivation verringern. Blue Cross und die RSPCA warnen ausdrücklich vor diesem häufigen Trainingsfehler.² ⁴
So verhinderst du, dass der Rückruf zum Spaßverderber wird
Rufe deinen Hund während des Spaziergangs immer wieder in einfachen Situationen zu dir.
Belohne ihn.
Fasse ruhig einmal an sein Geschirr.
Und lass ihn anschließend, wenn es sicher ist, wieder schnüffeln oder weiterlaufen.
So lernt dein Hund:
Zu meinem Menschen zurückzukommen bedeutet nicht automatisch, dass alles Schöne vorbei ist.
Bei Mira finde ich diese Übung besonders hilfreich.
Ich möchte schließlich nicht, dass sie bei jedem „Komm“ sofort denkt: „Ach nein, jetzt geht es nach Hause.“
Manchmal gibt es einfach ein Leckerli und anschließend darf sie ihre Schnüffelmission fortsetzen.
Eine Vereinbarung, mit der wir beide ziemlich gut leben können.
6. Dein Hund steckt in der Pubertät – oder ist besonders eigenständig
Vielleicht kennst du diese Situation:
Als Welpe kam dein Hund wunderbar zurück.
Er lief freudig auf dich zu, sobald du seinen Namen gesagt hast.
Und plötzlich, einige Monate später, wirkt es so, als hätte jemand die Rückruffunktion abgeschaltet.
Willkommen in der Hunde-Pubertät.
Bei vielen Hunden verändern sich während der Entwicklung Interessen, Erregbarkeit und Verhalten.
Die Tierärzte der britischen Tierschutzorganisation PDSA erklären, dass heranwachsende Hunde zeitweise schlechter auf bekannte Signale reagieren können.³
Das heißt nicht, dass sie alles vergessen haben.
Aber die Welt wird in dieser Lebensphase oft interessanter und die Umsetzung bereits gelernter Verhaltensweisen schwieriger.
Mein Hund hört seit der Pubertät draußen nicht mehr – was hilft?
Vor allem Geduld, realistische Erwartungen und weiterhin freundliches Training.
Vielleicht musst du einige Übungen vorübergehend wieder vereinfachen.
Vielleicht hilft eine Schleppleine, damit dein Hund sicher unterwegs sein kann.
Und vielleicht dauert manches einfach etwas länger als gedacht.
Die PDSA empfiehlt, während der Pubertät beim belohnungsbasierten Training zu bleiben und auf Strafen zu verzichten.³
Spielt die Hunderasse eine Rolle?
Ja, die individuellen Anlagen und ursprünglichen Aufgaben eines Hundes können Einfluss darauf haben, was ihn draußen besonders interessiert.
Manche Hunde sind stark auf Gerüche spezialisiert.
Andere reagieren besonders auf Bewegungen oder Wildtiere.
Wieder andere orientieren sich häufig von selbst an ihren Menschen.
Blue Cross weist darauf hin, dass beispielsweise selbstständig arbeitende Jagdhundtypen beim Rückruf unter Umständen andere Herausforderungen haben als Hunde, die für eine besonders enge Zusammenarbeit mit Menschen gezüchtet wurden.²
Als Mensch einer Mischlingshündin finde ich das besonders spannend.
Bei Mira treffen schließlich unterschiedliche Anlagen und eine ganz eigene Persönlichkeit aufeinander.
Und manchmal habe ich das Gefühl, dass genau diese Mischung dafür sorgt, dass sie ihre Umgebung auf eine sehr individuelle Weise erkundet.
Entscheidend bleibt aber immer der einzelne Hund.
Nicht die Rasse allein bestimmt, wie gut der Rückruf funktioniert, sondern auch Training, Erfahrungen, Motivation und die jeweilige Situation.
7. Dein Hund ist zu aufgeregt, gestresst oder fühlt sich nicht wohl
Manchmal liegt ein schwieriger Rückruf nicht an mangelndem Training.
Vielleicht ist dein Hund einfach so aufgeregt, dass er sich kaum konzentrieren kann.
Vielleicht hat er Angst vor einem Geräusch.
Oder er fühlt sich in einer bestimmten Umgebung überfordert.
Die australische RSPCA empfiehlt, den Rückruf zunächst unter möglichst einfachen Bedingungen zu trainieren und Ablenkungen nur schrittweise hinzuzufügen.⁴
Ein Hund, der gerade völlig aufgeregt ist, kann Schwierigkeiten haben, seine Aufmerksamkeit auf dich zu richten.
Was, wenn mein Hund plötzlich nicht mehr auf mich hört?
Dann solltest du auch gesundheitliche Ursachen bedenken.
Wenn dein Hund früher zuverlässig reagiert hat und plötzlich selbst in ruhigen Situationen kaum noch auf Ansprache reagiert, können unter anderem Hörprobleme, Schmerzen oder andere Erkrankungen eine Rolle spielen.
Die PDSA empfiehlt bei ungewöhnlichen oder plötzlich auftretenden Verhaltensänderungen zunächst eine tierärztliche Abklärung.⁷
Ich finde, das ist ein wichtiger Unterschied.
Ein Hund, der mitten im spannenden Schnüffeln nicht kommt, braucht möglicherweise ein besser aufgebautes Training.
Ein Hund, der plötzlich selbst auf seinen Namen nicht mehr reagiert, braucht unter Umständen zuerst eine gesundheitliche Untersuchung.
Nicht jedes Problem lässt sich mit zusätzlichen Leckerlis lösen.
Rückruf trainieren: So lernt dein Hund, draußen besser auf dich zu hören
Nachdem wir die möglichen Ursachen kennen, stellt sich natürlich die wichtigste Frage:
Was können wir konkret tun?
Ich bin ein großer Fan davon, beim Hundetraining mit einfachen Übungen anzufangen.
Nicht, weil Mira nichts Schwieriges lernen könnte.
Sondern weil gute Erfahrungen und kleine Erfolge eine viel angenehmere Grundlage schaffen als ständige Misserfolge.
Die folgenden Schritte orientieren sich an Empfehlungen von Dogs Trust, Blue Cross und der RSPCA.¹ ² ⁴
Schritt 1: Wähle ein eindeutiges Rückrufsignal
Das kann zum Beispiel „Komm“ oder „Hier“ sein.
Auch ein Pfeifsignal ist möglich.
Wichtig ist, dass du dich möglichst für ein Signal entscheidest und alle Familienmitglieder es einheitlich verwenden.
Wenn dein bisheriges Wort durch ständiges erfolgloses Rufen kaum noch Wirkung hat, kann es sinnvoll sein, ein neues Signal von Grund auf positiv aufzubauen.
Schritt 2: Beginne in der Wohnung
Trainiere zunächst dort, wo dein Hund sich gut konzentrieren kann.
Stelle dich mit einer besonders schönen Belohnung in ein paar Metern Entfernung auf.
Rufe deinen Hund freundlich zu dir.
Kommt er, belohne ihn unmittelbar.
Am Anfang soll die Übung so leicht sein, dass dein Hund häufig erfolgreich sein kann.
Schritt 3: Vergrößere langsam die Entfernung
Wenn dein Hund in deiner Nähe zuverlässig kommt, kannst du die Entfernung langsam steigern.
Übe beispielsweise vom Wohnzimmer in den Flur.
Anschließend im Garten oder in einem anderen sicheren Bereich.
Wichtig: Verändere nicht gleichzeitig alles.
Mehr Entfernung und mehr Ablenkung machen den Rückruf deutlich schwieriger.
Schritt 4: Übe draußen mit wenig Ablenkung
Suche dir einen ruhigen Ort.
Für Mira wäre das beispielsweise eher eine übersichtliche Wiese als ein stark besuchter Hundepark.
Beginne mit kurzen Entfernungen und belohne jeden gelungenen Rückruf großzügig.
Wenn dein Hund nicht reagiert, war die Übung möglicherweise zu schwierig.
Reduziere dann die Entfernung oder suche eine ruhigere Umgebung.
Schritt 5: Verwende eine Schleppleine
Eine Schleppleine ermöglicht deinem Hund mehr Bewegungsfreiheit, ohne dass du die Kontrolle vollständig abgeben musst.
Sie ist gerade während des Rückruftrainings eine große Hilfe.
Dogs Trust, TASSO und die Tierschutzorganisation Battersea empfehlen Schleppleinen als sinnvolle Absicherung, solange der Rückruf noch nicht zuverlässig funktioniert.¹ ⁵ ⁶
Befestige die Schleppleine an einem gut sitzenden Geschirr, nicht an einem Halsband. Trainiere in einem übersichtlichen Gelände, halte Abstand zu Straßen und achte darauf, dass sich die Leine nicht um Menschen, Hunde oder Hindernisse wickelt.
Eine Schleppleine sollte nicht dazu verwendet werden, einen Hund mit Schwung zu sich heranzuziehen.
Sie dient der Sicherheit und ermöglicht kontrolliertes Training.
Schritt 6: Belohne auch das freiwillige Zurückkommen
Das finde ich besonders schön.
Man muss nicht immer erst rufen.
Wenn dein Hund sich von selbst umdreht, zu dir schaut oder zu dir zurückkommt, kannst du ihn dafür belohnen.
So förderst du, dass er während des Spaziergangs regelmäßig Kontakt zu dir aufnimmt.
Bei Mira freue ich mich besonders über diese kleinen freiwilligen Rückmeldungen.
Manchmal schaut sie kurz zurück, als wollte sie sicherstellen, dass ich noch hinter ihr bin.
Ich finde das schön.
Es zeigt mir, dass wir auch dann miteinander verbunden bleiben können, wenn gerade jeder etwas anderes interessant findet.
Schritt 7: Lass deinen Hund nach dem Rückruf manchmal wieder losziehen
Dieser Schritt wird leicht vergessen.
Rufe deinen Hund.
Belohne ihn.
Und lass ihn anschließend in einer sicheren Situation weiter erkunden.
So bekommt der Rückruf eine zusätzliche positive Bedeutung.
Er ist nicht nur das Signal zum Anleinen.
Sondern manchmal einfach eine kurze, angenehme Begegnung mit seinem Menschen.
Die 5 häufigsten Fehler beim Rückruftraining
Es gibt ein paar Dinge, die den Rückruf unnötig erschweren.
Und ich glaube, fast jeder Hundebesitzer wird sich in mindestens einem davon wiedererkennen.
Fehler 1: Den Hund immer wieder rufen
„Komm, komm, komm!“ wird irgendwann zum Hintergrundgeräusch.
Besser ist es, ein klares Signal zu verwenden und in Situationen zu üben, in denen dein Hund eine realistische Chance hat, richtig zu reagieren.
Fehler 2: Zu schnell zu viel erwarten
Nur weil der Rückruf im Garten klappt, funktioniert er noch lange nicht neben spielenden Hunden.
Steigere die Ablenkung langsam.
Fehler 3: Den Hund schimpfen, wenn er endlich kommt
Das ist besonders ungünstig.
Stell dir vor, Mira kommt nach einer Verzögerung endlich zurück.
Wenn ich sie dann verärgert ausschimpfe, verbindet sie das Zurückkommen möglicherweise mit einer unangenehmen Erfahrung.
Die RSPCA und Dogs Trust empfehlen deshalb ausdrücklich, den Hund nicht zu bestrafen, wenn er nach dem Rufen zurückkommt.¹ ⁴
Auch ein verspäteter Rückruf sollte freundlich angenommen werden.
Fehler 4: Nur am Ende des Spaziergangs rufen
Wenn der Rückruf immer das Ende des Spaßes ankündigt, sinkt möglicherweise die Motivation.
Baue deshalb immer wieder kurze Rückrufübungen ein, nach denen dein Hund weiterlaufen darf.
Fehler 5: Den Hund zu früh ohne Leine laufen lassen
Das ist nicht nur ein Trainingsproblem, sondern auch eine Sicherheitsfrage.
Ein Hund, der bei Ablenkung noch nicht zuverlässig zurückkommt, sollte in ungesicherten Bereichen nicht frei laufen.
TASSO empfiehlt, Freilauf erst dann zu ermöglichen, wenn der Rückruf gut trainiert ist.⁵
Außerdem sind örtliche Leinenpflichten, Naturschutzgebiete und besondere Schutzregelungen zu beachten.
Warum eine Schleppleine beim Rückruf kein Rückschritt ist
Ich finde, die Schleppleine hat manchmal einen völlig ungerechtfertigten Ruf.
Manche Menschen denken, ein Hund müsse möglichst schnell ohne Leine laufen können, damit er wirklich frei ist.
Aber was bringt diese Freiheit, wenn der Hund plötzlich auf eine Straße rennt oder einem Wildtier hinterherjagt?
Eine Schleppleine kann ein sehr guter Kompromiss sein.
Dein Hund darf schnüffeln, sich bewegen und seine Umgebung erkunden.
Gleichzeitig kannst du gefährliche Situationen besser verhindern.
Battersea erklärt ausführlich, wie Schleppleinen beim Rückruftraining eingesetzt werden können und warum das richtige Handling wichtig ist.⁶
Welche Schleppleine eignet sich?
Für viele Alltagssituationen können beispielsweise fünf bis zehn Meter eine praktikable Länge sein.
Die passende Länge hängt aber vom Gelände, deinem Hund und deiner Erfahrung mit der Leine ab.
In unübersichtlichem Gelände, auf engen Wegen oder in der Nähe anderer Menschen kann eine kürzere Leine sinnvoller sein.
Wichtig sind vor allem:
Ein gut sitzendes Geschirr.
Eine für dich beherrschbare Leinenlänge.
Eine sichere, übersichtliche Trainingsumgebung.
Aufmerksamkeit für mögliche Verwicklungen.
Ein ruhiger Umgang ohne heftiges Ziehen oder Rucken.
Und wenn dein Hund bei bestimmten Ablenkungen noch nicht zuverlässig zurückkommt, ist die Schleppleine keine Niederlage.
Sie ist verantwortungsvolles Management.
Mein Hund hört draußen überhaupt nicht: Ein einfacher Trainingsplan für den Anfang
Manchmal hilft es, nicht alles gleichzeitig verbessern zu wollen.
Deshalb würde ich bei einem schwierigen Rückruf mit einem überschaubaren Wochenplan beginnen.
Wichtig: Die einzelnen Übungen solltest du erst schwieriger machen, wenn dein Hund in der bisherigen Situation zuverlässig und entspannt reagiert.
TrainingstagÜbungZielTag 1Rückruf in der Wohnung aus kurzer EntfernungRückrufsignal positiv verknüpfenTag 2Kurze Rückrufe in verschiedenen ZimmernGleiche Übung an mehreren OrtenTag 3Rückruf im sicheren Garten oder geschlossenen BereichErste kleine UmweltveränderungTag 4Rückruf mit leichter AblenkungAufmerksamkeit trainierenTag 5Draußen an der Schleppleine auf kurzer DistanzSicheres Üben im FreienTag 6Freiwilliges Zurückschauen und Zurückkommen belohnenOrientierung am Menschen fördernTag 7Leichte Übungen wiederholen und Erfolge festigenPositive Erfahrungen sammeln
Dieser Plan ist kein Versprechen, dass dein Hund nach sieben Tagen zuverlässig zurückkommt.
Manche Hunde benötigen deutlich länger.
Und das ist völlig in Ordnung.
Wenn eine Übung nicht klappt, gehe einfach einen Schritt zurück.
Bei Mira versuche ich mir immer wieder bewusst zu machen, dass es nicht darum geht, möglichst schnell möglichst viel zu erreichen.
Sondern darum, dass wir beide verstehen, was wir voneinander möchten.
Was tun, wenn mein Hund wegläuft und nicht zurückkommt?
Das ist eine Situation, die niemand erleben möchte.
Wenn dein Hund sich losgerissen hat oder unangeleint davonläuft, versuche zunächst, ruhig zu bleiben.
Vermeide es, ihn wütend anzuschreien.
Wenn du dich an einem sicheren Ort befindest und dein Hund dich noch wahrnimmt, kannst du versuchen, ihn mit einer freundlichen Stimme, einer einladenden Körperhaltung oder einer vertrauten Belohnung zu dir zu locken.
Bei manchen Hunden kann es helfen, sich etwas von ihnen wegzubewegen, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Wichtig: Bringe dich dabei niemals selbst in Gefahr. Laufe deinem Hund nicht unüberlegt auf die Straße hinterher und bewege dich nicht rückwärts in unübersichtliche oder gefährliche Bereiche.
Wenn dein Hund zurückkommt, sichere ihn ruhig und ohne Bestrafung.
Ist er entlaufen und nicht mehr auffindbar, können örtliche Fundstellen, Tierheime und die Vermisstenmeldung bei TASSO helfen.
TASSO empfiehlt grundsätzlich, Hunde kennzeichnen und registrieren zu lassen, damit entlaufene Tiere ihren Haltern zugeordnet werden können.⁵
Wann sollte ich mir professionelle Hilfe beim Rückruf holen?
Nicht jedes Rückrufproblem erfordert sofort ein aufwendiges Einzeltraining.
Manchmal reicht es, die Übungen wieder einfacher zu gestalten und konsequent weiterzutrainieren.
Aber es gibt Situationen, in denen Unterstützung wirklich sinnvoll ist.
Zum Beispiel:
Dein Hund jagt regelmäßig Wild oder bewegliche Objekte.
Er rennt unkontrolliert auf Straßen oder andere Gefahren zu.
Er reagiert draußen kaum noch auf dich.
Er zeigt starke Angst oder Aufregung in bestimmten Situationen.
Du weißt nicht mehr, wie du sicher trainieren kannst.
Der Rückruf funktioniert trotz angepassten Trainings langfristig kaum.
Sein Verhalten hat sich plötzlich stark verändert.
Die PDSA empfiehlt bei anhaltenden oder komplexen Verhaltensproblemen eine gesundheitliche Abklärung und gegebenenfalls die Unterstützung qualifizierter, belohnungsbasiert arbeitender Fachpersonen.⁷
Ich finde, gute Unterstützung kann gerade beim Rückruf sehr wertvoll sein.
Denn manchmal sieht jemand von außen viel schneller, an welcher Stelle wir unserem Hund zu viel zumuten.
Oder wo wir unbewusst ein Verhalten verstärken.
Häufige Fragen: Hund hört draußen nicht
Warum hört mein Hund zu Hause, aber draußen nicht?
Zu Hause gibt es meistens weniger Ablenkung. Draußen konkurriert dein Rückrufsignal mit Gerüchen, anderen Hunden, Menschen und vielen weiteren Reizen. Deshalb muss der Rückruf in verschiedenen Umgebungen schrittweise trainiert werden.
Was tun, wenn mein Hund den Rückruf ignoriert?
Rufe nicht immer wieder. Prüfe stattdessen, ob die Ablenkung zu groß ist, verringere die Distanz und übe beim nächsten Mal unter leichteren Bedingungen. Sichere deinen Hund mit einer geeigneten Leine, solange der Rückruf nicht zuverlässig funktioniert.
Warum schaut mein Hund mich an, kommt aber trotzdem nicht?
Vielleicht hat dein Hund das Signal wahrgenommen, findet seine aktuelle Beschäftigung aber noch lohnender. Es kann auch sein, dass er den Rückruf unter dieser Ablenkung noch nicht ausreichend gelernt hat. Arbeite mit kürzeren Distanzen und hochwertigen Belohnungen.
Warum hört mein Hund plötzlich nicht mehr?
Dafür können unter anderem die Pubertät, neue Ablenkungen, Stress oder gesundheitliche Veränderungen verantwortlich sein. Wenn dein Hund auch in ruhigen Situationen plötzlich schlechter reagiert, solltest du tierärztlich prüfen lassen, ob körperliche Ursachen eine Rolle spielen.
Kann ich einen erwachsenen Hund noch an den Rückruf gewöhnen?
Ja. Auch erwachsene Hunde können einen Rückruf lernen oder verbessern. Entscheidend sind ein verständliches Signal, passende Belohnungen, regelmäßige Übung und eine schrittweise Steigerung der Schwierigkeit.
Ist eine Hundepfeife besser als das Wort „Komm“?
Nicht grundsätzlich. Eine Pfeife kann als gleichbleibendes Signal hilfreich sein, muss aber genauso sorgfältig trainiert werden wie ein gesprochenes Wort. Die Pfeife allein macht den Rückruf nicht zuverlässig.
Wie lange dauert es, bis der Rückruf funktioniert?
Das ist von Hund zu Hund unterschiedlich. Alter, Vorerfahrungen, Ablenkbarkeit und Trainingshäufigkeit spielen eine Rolle. Einen festen Zeitraum, nach dem jeder Hund zuverlässig zurückkommt, gibt es nicht.
Sollte ich meinen Hund ohne Leine laufen lassen, wenn er manchmal nicht hört?
In ungesicherten Bereichen solltest du darauf verzichten, solange der Rückruf unter den dort vorhandenen Ablenkungen nicht ausreichend zuverlässig ist. Eine Schleppleine oder ein sicher eingezäunter Bereich ermöglicht trotzdem Bewegung und Training.
Mein Hund jagt Wild und hört nicht mehr – was kann ich tun?
Bei starkem Jagdverhalten solltest du deinen Hund konsequent sichern und zunächst an der Schleppleine trainieren. Übe Aufmerksamkeit, Orientierung und Rückruf mit genügend Abstand zu möglichen Auslösern. Oft ist zusätzlich ein individuelles Training mit einer qualifizierten Fachperson sinnvoll.
Mein Fazit: Rückruf ist keine Frage von Sturheit, sondern von Verständnis
Wenn ich heute mit Mira draußen unterwegs bin, versuche ich mich immer wieder daran zu erinnern, wie unterschiedlich wir unsere Umgebung erleben.
Für mich ist ein Spaziergang manchmal einfach eine Gelegenheit, frische Luft zu schnappen und den Kopf freizubekommen.
Für Mira ist es eine Welt voller interessanter Informationen.
Da gibt es Gerüche, die ich nicht wahrnehme.
Spuren, die ich nicht lesen kann.
Und spannende Dinge, von denen ich nicht einmal ahne, dass sie existieren.
Natürlich ist mein Rückruf in solchen Momenten nicht automatisch das Interessanteste auf der Welt.
Und das muss er auch nicht immer sein.
Ich möchte nicht, dass Mira nur deshalb zu mir zurückkommt, weil sie Angst vor meiner Reaktion hat. Ich möchte, dass sie gelernt hat, dass es sich lohnt, zu mir zu kommen.
Dass sie sich auf mich verlassen kann.
Und dass unser gemeinsamer Spaziergang auch dann schön bleibt, wenn sie zwischendurch einmal ihre Schnüffelmission unterbrechen muss.
Manchmal klappt das wunderbar.
Manchmal braucht es noch etwas Übung.
Und manchmal stehe ich auf einer Wiese und sehe dabei zu, wie Mira einen Grashalm untersucht, als würde das Ergebnis über die Zukunft der gesamten Hundewelt entscheiden.
Ich muss dann immer ein bisschen lächeln.
Denn so sehr ich mir einen zuverlässigen Rückruf wünsche: Ich möchte Mira auch ihre Neugier lassen.
Wir müssen nur einen sicheren und entspannten Weg finden, beides miteinander zu verbinden.
Und jetzt bin ich neugierig: Hört dein Hund draußen zuverlässig auf den Rückruf oder sind andere Hunde, Gerüche und spannende Entdeckungen manchmal interessanter?
Erzähl mir gerne in den Kommentaren davon. Vielleicht kennst du ja auch diesen einen Blick, mit dem dein Hund dir zu verstehen gibt:
„Ich habe dich gehört. Aber ich bin hier gerade noch beschäftigt.“
Alles Liebe
Susanne & Mira
Schnauzenliebe.com
Schnauzenliebe
Das ehrliche Hundemagazin für den echten Alltag.
Redaktion
info@schnauzenliebe.com
© 2026 Schnauzenliebe.com - Mehr Wissen. Mehr Nähe. Mehr Hund.
